Hängen Sie keine Würstchen an Ihre Angebote!

In den 90gern versuchten Zeitschriften neue Leser zu gewinnen, indem die Verlage auf die Titelblätter lustige Zugaben anbrachten. Vom Plastikpropeller über den Diätplan bis zur CD. Dem „alten Bauer“, Verleger Alfred Bauer, wird nachgesagt, dass er auf diese Entwicklung mit einem lapidaren „Ich hänge keine Würstchen an meine Blätter“ reagiert haben soll.

Nun können Radiosender an Ihre Inhalte keine Würstchen hängen. Sie können rein gar nichts an ihr rein auditives Programm hängen. Aber Radioverkäufer können dies. Da werden Angebote gerne einmal um Online- oder Mobile-Applikationen ergänzt. Im Grunde genommen kann man dagegen nichts einwenden. Es sei denn, zwischen Basisangebot und „Würstchen“ besteht so gar kein inhaltlicher Zusammenhang. Und das ist nicht selten das Fall.

Radiowerbung wird nicht dadurch besser, dass man sie um eine Online-Komponente ergänzt. Sie wird nur dann besser, wenn diese Online-Komponente den Primärnutzen der Radiospots sinnvoll ergänzt und bestenfalls verstärkt.

Online kann visualisieren, was im Radio nur zu hören ist. Für manche regionalen Kunden ist dies durchaus eine sinnvolle Ergänzung, da sie nicht auf immer auf alternative visuelle Medien zurückgreifen können oder wollen. Für nationale Kunden allerdings ist der visuelle Zusatznutzen eher ein Argument gegen Radio. Wenn ich als national agierender Werbungtreibender Visualität benötige, belege ich eben auch visuelle Medien.

Gegenüber überregionalen und nationalen Kunden bringt es nichts, Radio zu etwas zu machen, was es nicht ist. So wie letztlich kein Leser eine Zeitschrift kauft, weil auf dem Titel ein Gimmick angebracht ist, so wird Radio auch zu keinem Imagemedium, nur weil man den Kunden auf der Senderwebsite abbildet.

Das ist jedoch kein Plädoyer gegen „Radio + Online“. Es ist ein Plädoyer für Online-Ergänzung, die den Kernnutzen von Radio zu verstärken. Und dieser liegt in aktionistischer Werbung. In Werbung, die zeitlich schnell und räumlich präzise die Handlung am Point-Of-Decision stimuliert. Da gibt es eine Vielzahl an Online-Applikationen, die genau diesen Nutzen von Radio ergänzen und ausbauen. Und das Beste an diesen Angeboten: Sie stärken das Vertrauen in den Hörfunk als Werbeträger.

 

(Bild: Ruth Rudolph  / pixelio.de)